Auf der Suche nach einem geeigneten Dienstleister für den Taschenbuch-Druck meines Debütromans „Blind Date unterm Blutmond“ habe ich drei der großen Anbieter ausprobiert. Die Ergebnisse diverser Testdrucke habe ich in diesem Blogbeitrag einmal für euch zusammengefasst.
Bitte beachtet, dass es sich bei der Beurteilung und Bewertung der folgenden Darstellungen um meine subjektive Wahrnehmung handelt. Es kann durchaus sein, dass andere von Euch völlig andere Erfahrungen gemacht haben oder meine Ergebnisse anders beurteilen.
der Autor 🙂
Inhaltsübersicht
- Die Vorgeschichte
- Die Cover (glänzend und matt)
- Detailansichten der Cover
- Cover-Vergleich kdp: Druckzentrum Polen und Leipzig
- Der Schriftsatz – worauf es dem Leser ja eigentlich ankommt
- Persönliche Punktevergabe
- Mein Fazit
Die Vorgeschichte

Als Selfpublisher habe ich mich schon recht früh mit den Möglichkeiten zur Veröffentlichung meines Debütromans – sowohl als eBook als auch als Taschenbuch – beschäftigt. Lange Zeit erschien es mir dabei selbstverständlich, dies über die Amazonplattform kindle direct publishing (kdp) zu tun, bot sich als langjähriger Amazonkunde doch die Möglichkeit der einfachen Eröffnung eines entsprechenden Kontos.
Erst in jüngerer Vergangenheit und durch den Austausch mit anderen Autoren wurde ich auf die Anbieter ePubli und Books on Demand (BoD) aufmerksam. Auch dort war die Einrichtung eines Kontos recht unproblematisch. Im Kern dieses Beitrags möchte ich nun weder auf die Vor- oder Nachteile der einzelnen Dienstleister an sich eingehen, noch auf Preise oder Vertragsmodelle. Ich möchte mich lediglich auf die Druckqualität (Cover und Inhalt) im Bereich Taschenbuch konzentrieren, die für mich schon im Vorfeld eine große Rolle spielte.
Bereits vor zwei Jahren hatte ich bei kdp den ersten Probedruck einer frühen Rohfassung meiner damals ca. 180 Seiten starken Geschichte bestellt, insbesondere weil mich die Druckqualität des Covers interessiert hatte. Nur vier Tage später zum ersten Mal sein eigenes – wenn auch ziemlich unfertiges – Taschenbuch in Händen zu halten, war schon ein erhebendes Gefühl, die Qualität des Buchcovers hingegen eine echte Katastrophe: Matschige und viel zu dunkle Farben, kaum Kontraste sowie ein furchtbares Erscheinungsbild!
Aber – das alles war mein Fehler! Obgleich ich auf mehr als 20 Jahre Berufserfahrung im Bereich Web-Entwicklung und Print zurückblicke, beging ich einen peinlichen Anfängerfehler: Ich hatte die Coverdatei im RGB-Farbraum erstellt, statt im druckfähigen CMYK-Format. Dies hatte ich aber auch erst nach Sichtung diverser Forenbeiträge als Ursache ermitteln können. Frohen Mutes und mit neuer Hoffnung startete ich einen zweiten Versuch – dieses Mal im korrekten CMYK-Format, dieses Mal mit einer abgespeckten Buchversion mit nur 24 Seiten, da es günstiger war. Es kam mir schließlich nur auf das Cover an.
Weitere fünf Tage später lernte ich dann genau zwei Dinge:
- Die Änderung ins CMYK-Format hatte einen gewaltigen Unterschied ausgemacht – im Positiven.
- Die Druckqualität des Covers lag trotzdem noch immer hinter meinen Erwartungen zurück – das gesamte Cover wirkte grobkörnig (obwohl es die Vorlage mit 300dpi nicht war) und sogar rein schwarze Bereiche waren krisselig und wiesen ein starkes Rauschen auf … Details z.B. beim Mond gingen in diesem Rauschen verloren und wirkten allenfalls vermatscht.
Man muss dazu sagen, dass vor Veröffentlichung bei kdp/Amazon ein Probedruck nur mit Banderole „Not for Resale“ erhältlich ist und man in einigen Foren die Meinung vertrat, dass die Qualität nach Veröffentlichung noch einmal verbessert würde. Ehrlich gesagt hege ich daran jedoch so meine Zweifel.

Wie dem auch sei. Ein wenig ernüchtert konzentrierte ich mich damals erst mal wieder auf das Schreiben. Was sollte ich mir Gedanken um einen mittelmäßigen Coverdruck machen, wenn ich noch weit davon entfernt war, überhaupt ein fertiges Manuskript zum Drucken zu haben. Erst im Herbst 2022, um viele Erfahrungen reicher und kurz vor dem Abschluss meines ersten Romans, startete ich einen neuen Versuch in Sachen Taschenbuch-Testdruck. Dieses Mal zog ich dabei alle Register und druckte bei gleich drei Anbietern (kdp, ePubli und BoD) sowohl mit glänzendem Cover als auch in matt. Um den Geldbeutel zu schonen, entschied ich mich bei allen 6 Büchern für stark abgespeckte Versionen mit jeweils 36 Seiten auf cremefarbenem Papier.
kdp lieferte dabei innerhalb von nur 2 Werktagen, ePubli benötigte 4 Tage und BoD 9 Tage – wobei 5 davon für die einmalige Erstellung und Prüfung der druckfähigen Dateien beansprucht wurden.
Die Cover (glänzend & matt)
Die im folgenden präsentierten Cover und Ausschnitte wurden allesamt unter identischen Bedingungen und ohne störende Lichteinflüsse eingescannt und in keiner Weise bearbeitet. Die Covervorlagen wurden den Anbietern im CMYK-Farbraum und mit jeweils 300dpi bereitgestellt. Der Druck von BoD liefert hier in Sachen Farbtreue und Qualität eine Punktlandung.
In der nachfolgenden Zeile die glänzende Version v.l.n.r.: BoD, ePubli, kdp



In der nachfolgenden Zeile die matte Version v.l.n.r.: BoD, ePubli, kdp



Auf den ersten Blick wirkten alle Cover schon irgendwie ganz gut, aber bereits in dieser Gesamtansicht lässt sich der krisselige und verrauschte Charakter der helleren kdp-Drucke erahnen. Tatsächlich kann ich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht ausschließen, dass diese Aufhellung durch die Banderole bedingt ist.
Von der Haptik her fällt besonders auf, dass die matte kdp-Version sich irgendwie speckig anfühlt. Diese Erfahrung konnte ich bereits früher bei vier anderen kdp Büchern mit matten Covern machen, die ich gekauft hatte und die laut Innenaufdruck alle in Polen gedruckt worden waren. Die beiden andern matten Cover (BoD und ePubli) fühlen sich angenehm weich, ja fast seidig an. Die glänzenden Exemplare fühlen sich allesamt glatt und geschmeidig an.
Detailansichten der Cover
Sehr schön erkennt man auf den ersten Blick, dass BoD qualitativ die Nase ganz vorn hat, wenngleich es auch minimale Unschärfen in der Schrift gibt. Das Cover besticht durch ein klares Erscheinungsbild, satte Farben und gute Kontraste.
Bei ePubli hingegen erkennt man ein deutliches Raster im Druck und der Schriftsatz wirkt ausgefranst und verpixelt. Im Ganzen erscheint das ePubli-Cover minimal zu dunkel.
kdp schneidet meines Erachtens hier am schwächsten ab, hat ein verwaschenes Erscheinungsbild und ebenfalls ein deutlich sichtbares Raster. Besonders negativ fällt dabei auf, dass die Farbwiedergabe verfälscht ist und dass dunkle Farbtöne ein unsauberes Rauschen aufweisen.





Cover-Vergleich kdp:
Druckzentrum Polen und Leipzig
Einen besonderen Vergleich möchte ich nochmal innerhalb des kdp-Angebots selbst hervorheben. Amazon betreibt sowohl ein Druckzentrum in Breslau (Polen) als auch in Leipzig (Deutschland). Durch Zufall konnte ich jüngst einen Probedruck aus Leipzig bekommen – alle Drucke zuvor stammten aus Polen. Meines Wissens hat man bei Bestellung seines Werks keine Möglichkeit, auf die Standortauswahl Einfluss zu nehmen. Dennoch gibt es meines Erachtens deutliche Qualitätsunterschiede.


Links das Cover aus dem Druckzentrum in Leipzig; rechts das Cover aus Polen. Das linke Cover wirkt klarer und farbechter, beim rechten sind die Farben zum Teil verfälscht und das Gesamtbild ist verrauschter. Obgleich das Erscheinungsbild rechts auf den einen oder anderen Betrachter ansprechender wirken mag, entspricht es nicht der Vorlage.


Hier nochmal zwei Detailansichten der kdp-Drucke. Auch hier erkennt man das klarere Druckbild auf der linken Seite und das unschöne Rauschen im jeweils rechten Bildausschnitt. Das Schwarz des Leipziger Drucks ist gleichmäßiger, die Konturen auf der Mondoberfläche sind schärfer und die Buchstaben kommen klarer herüber.
Wie gesagt, scheint es keine Möglichkeit zu geben, den Druckstandort bei Bestellung zu beeinflussen.
Der Schriftsatz – worauf es dem Leser ja eigentlich ankomm(t/en sollte)
Hier noch der Vergleich des Schriftsatzes. Überraschend wendet sich hier das Blatt und kdp liegt qualitativ auf dem ersten Platz, gefolgt von ePubli. BoD schneidet meines Erachtens hier am schwächsten ab. Unterm Strich sind bei normaler Betrachtung jedoch alle drei gleich gut zu lesen, sodass keiner der drei Anbieter bei der Auswahl zu vernachlässigen wäre.
Zu bemängeln ist bei ePubli, dass der Druck der vorigen Seite stark – für mein Empfinden schon fast störend – hindurchscheint.



Persönliche Punktevergabe
In der nachfolgenden Tabelle gebe ich meine subjektive Beurteilung in einer Bewertung von 1 (schlecht) bis 5 (sehr gut) Punkten ab. Diese Beurteilung erfolgt auch unter Berücksichtigung meines persönlichen Kosten-Nutzenfaktors.
| BoD | ePubli | kdp | |
| Qualität des Covers – Gesamteindruck | 5 | 4 | 3 / 4² |
| Qualität des Covers – unter der Lupe* | 5 | 3 | 2 / 4² |
| Qualität des Inhalts – Gesamteindruck | 5 | 4 | 5 |
| Qualität des Inhalts – unter der Lupe* | 2 | 3 | 5 |
| Marktabdeckung (Buchhandel, Onlinehandel)** | 5 | 5 | 3 |
| Preis Autorenexemplare** | 1 | 2 | 5 |
| Preis VK** | 2 | 3 | 5 |
| Tantiemen je Verkauf** | 3 | 2 | 5 |
| Gesamtwertung | 3,5 | 3,3 | 4,3 / 4,5² |
Mein Fazit
Obgleich ich großen Wert insbesondere auf ein perfektes Cover lege und somit eigentlich zu einer Veröffentlichung bei BoD tendieren müsste, schließen die deutlich geringeren Tantiemenaussichten sowie sehr hohe Preise für Autorenexemplare diesen Anbieter für mich leider vorerst aus.
Auch ePubli halte ich (für meinen Bedarf) aus ähnlichen Gründen für ungeeignet. Zusätzlich sprechen die für mein Empfinden extrem lange Lieferzeiten bei Bestellungen über Amazon aus meiner Sicht nicht gerade für diesen Anbieter. Aktuell warte ich seit 8 Tagen auf ein Buch, das über ePubli gedruckt und über Amazon verkauft wurde. Es wurde noch nicht einmal verschickt. Diese Wartezeit halte ich für nicht tragbar.
Ich werde (nach aktuellem Kenntnisstand) versuchen, das Cover bestmöglich für den Druck via kdp zu optimiern und über diesen Amazon-Service veröffentlichen. Dadurch kann ich meinen Lesern obendrein günstigere Preise anbieten als bei den beiden anderen Dienstleistern.
– Jon Helmer im November 2022 –